Reisebericht 2007

Kenia Reisebericht Juli / August 2007

Endlich, am 16.07.2007 lande ich in Nairobi. Nach so langer Abwesenheit kann ich wieder den Boden des Landes, das ich so liebe, betreten.Das Ziel meiner Reise ist das Sammeln von Eindrücken und Informationen. Ich möchte mir Kinderhäuser anschauen, um dadurch Anregungen zu erhalten. Ebenso möchte ich die Möglichkeit nutzen, vor Ort mit den Heimleitungen zu kommunizieren. Durch die Besichtigung von Krankenhäusern möchte ich mir einen Einblick über den medizinischen Stand und die örtlichen Gegebenheiten verschaffen.Der Besuch in verschiedenen Kindergärten und Schulen soll ebenfalls mit dazu beitragen, dass ich einen Überblick bekomme, ob der Aufbau und Standort unseres Kinderhauses in oder um Nairobi den Kindern eine gute und sichere Heimat  bieten könnte.Natürlich brauchen wir in naher Zukunft auch ein Grundstück, um dann nach dem Erwerb, den Hausbau verwirklichen zu können. Dies bedeutet, dass ich mir verschiedene Angebote anschauen werde.Dieses Mal habe ich ein Hotel mitten in Nairobi. Das ist wirklich eine Höllenstadt. „Zu groß, zu laut, zu schnell. Für mich jedenfalls.“

[$=project.imageDescription(

Die Familie von Charles und Grace, unserer kenianischen  Mitglieder, stehen mir mit Rat und Tat zur Seite – Hilda und David. Ohne Ihre große Hilfsbereitschaft, Ortskundigkeit und permanenten Einsatz wäre die Erkundung und all die Besichtigungen niemals möglich gewesen. An dieser Stelle möchte ich Ihnen im Namen von Maweni e. V. herzlichen Dank sagen.  Meine Recherchen beginnen in Raini, ich besuche die Karen Akademie, in der ich von der Schulleiterin und den Lehrkräften freundlichst aufgenommen werde. Die Karen Akademie ist eine sehr schöne Grund- und Hauptschule. Einige Kinder erklären sich dazu bereit, uns Bilder zu malen. Bilder, die ihre Vision von einer guten Zukunft zeigen. Alle Kinder malen ihren Traumberuf. Einige von ihnen sind Waisenkinder und werden von der Schulleiterin gesponsert. Diese Kinder verbinden also einen guten Beruf mit einer guten Zukunft. „Sehr schön, das bestätigt doch unsere Meinung. Kinder mit Bildung sind Kinder mit Zukunft.“ In der Nähe von Banana Hills und Raini schaue ich mir eine christlich geführte Mehrzweckeinrichtung an. Little Sisters Servant. Hier befindet sich eine sehr gute ambulante Krankenstation. Es gibt einen Kindergarten für Kinder aus ganz armen Verhältnissen und eine Schule für Kinder ab acht Jahren, die noch nie eine Schule besucht haben. In Little Sisters Servant werden sie unterrichtet und auf die High School vorbereitet. Die Jungen und Mädchen lernen weben, nähen und kochen. Die handwerklichen Arbeiten werden verkauft und der Erlös fließt wieder in das Projekt zurück. Hier ist ein sehr schöner Zufluchtsort für Kinder entstanden.  Ebenfalls in der Nähe von Banana Hills darf ich mir den Kindergarten "Care Babys on Day" ansehen. Ein ebenfalls sehr gelungener und überaus kinderfreundlicher Ort.Ganz in der Nähe besichtige ich ein ca. 2.000 m2 großes Grundstück – ein schönes Fleckchen Erde – aber leider viel zu teuer. Für die von uns benötigte Grundstücksgröße (ca. 3.000 m2), müssten wir hier schon etwa 25.000 Euro zahlen.Überhaupt, die Preise der verschiedenen Grundstücke, die ich mir im Großraum Nairobi anschaue, machen mir Sorgen. Wenn sie angebunden sind an Straßen, Strom, Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser, sind sie unbezahlbar. Wenn sie bezahlbar sind, sind sie weit ab von alle dem. [$=project.imageDescription(Nach dem Schock über die Grundstückspreise in und um Nairobi, erlebe ich gleich den Nächsten. In einem staatlichen Krankenhaus finde ich fürchterliche Zustände vor. Ich frage mich ernsthaft wie man hier, wenn überhaupt, gesund wieder heraus kommt. Der Medikamentenvorrat ist nicht viel größer als der manch einer Hausapotheke. Ich bin froh, dass ich die geschenkten Medikamente meiner Apotheke aus Frankfurt über die Grenze bekommen habe. Vielleicht lässt sich mit den Antibiotika und sonstigen   Medikamenten, die eine oder andere Not lindern. Hier herrscht eine unvorstellbare Armut, alles sieht irgendwie provisorisch und sehr alt aus. Der Gedanke, dass man hier her gehen muss, wenn man Hilfe benötigt ist für mich kaum zu ertragen. Und dass ich ein krankes Kind hier zurück lassen müsste, kann ich mir absolut nicht vorstellen.[$=project.imageDescription( Mein nächster Besuch gilt dem "The Nest": ein tolles Kinderhaus mit einer hervorragenden Leiterin. Diese Besichtigung lässt mich wieder etwas glücklicher werden. The Nest befindet sich in Limuru und seine Bewohner machen einen sehr glücklichen Eindruck. „Zufriedene Kinder in einem schönen Zuhause, das gibt mir Hoffnung.“ Die nächste Besichtigung in unmittelbarer Nähe wirft mich ziemlich aus der Bahn. Dieser Ort ist total unstrukturiert, viel zu viele Kinder leben, lernen und spielen auf engstem Raum. Für mein Empfinden, kein Ort zum spielen, ruhen oder sich zurück zu ziehen. Sehr, sehr schmutzige sanitäre Anlagen und eine Küche, die ich als solche niemals erkannt hätte, treiben mir die Tränen in die Augen.  Ganz besonders traurig machen mich die vielen Straßenkindern, die ich in Nairobi antreffe. Fast alle Kinder (teilweise von schon ab 4 Jahren), halten das ihnen einzig wichtige in der Hand, eine Flasche deren Inhalt Klebstoff zum schnüffeln enthält. Sie klammern sich daran fest, als wäre es etwas, was ihnen Halt gibt. Diese Kinder und Jugendlichen sehen wirklich traurig und sehr alleine aus.Auch in diesem Elend gibt es Hoffnung. Ich sehe täglich vom Hotelfenster aus drei Kinder, etwa drei oder vier Jahre alt. Sie schnüffeln nicht, sie sind Kinder ohne Hoffnung, aber sie verhalten sich sehr normal. Sie schießen mit Gummis Steine durch die Gegend, sie lachen und leben. „Mögen sie niemals an dieses Schnüffelzeug geraten.“ Ein Junge entdeckt mich, ich winke ihm zu, er freut sich so sehr. Also ein Frühstück im Hotel ist nicht drin. Jedes Mal, wenn ich mich auf den Weg mache ihnen etwas zu essen zu bringen, sind sie weg. Das macht mich sehr nervös, ich bin zu lahm und sie sind zu schnell. Ich eile ja nur die Treppe herunter; dennoch ich bin immer zu spät. Schließlich treffe ich sie doch, als ich aus der Stadt zurückkomme. Sie betteln, niemand schaut sie auch nur an. Ich kann ihnen endlich etwas zu essen geben. Wie gerne würde ich sie mitnehmen, retten vor dem, was sie noch vor sich haben. Wie es aussieht, kümmert es hier nicht sonderlich viele Menschen was aus Ihnen wird.Die Menschen hier in Nairobi sind an den Anblick ausgemergelter Kinder gewöhnt, sie gehen einfach an ihnen vorbei. [$=project.imageDescription(Das nächste staatliche Hospital ist in einem sehr schlechten Zustand. Hier liegen zwei Säuglinge, beide nicht schwerer als zwei Pfund, auf oder in einer völlig absurden Intensivstation. Weil die Brutkästen wohl schon immer defekt sind, muss ein sehr alter Heizofen versuchen ihrLeben zu retten. Ich freue mich sehr, dass ich Babysachen im Gepäck habe. Die Betten triefen vor Dreck. Der Maasai Markt soll mich auf andere Gedanken bringen. Es gelingt ihm nicht.In einem weiterem Kinderhaus in der Nähe von Kiambu finde ich schlimme Zustände vor: Kinder auf engstem Raum, ohne jegliche Persönlichkeitssphäre machen mich sehr traurig. Bevor ich falsch verstanden werde: Ich möchteauf keinen Fall die Arbeit derer kritisieren, die sich in irgendeiner  Form darum bemühen, Kindern zu helfen. Ich ziehe meinen Hut vor all diesen Menschen. Jedoch mein Verständnis darüber wie Kinder aufwachsen sollten, ist abweichend zu dem was ich hier sehe.Ich wünsche jedem Kind auf dieser Welt nur ein wenig mehr Platz für sich und sein Leben. Die sehr engagierte Leiterin von "The Nest" bringt mich im Zentrum Nairobis auf eine Babystation, die eingebunden ist [$=project.imageDescription(in ein soziales Zentrum. 

Hier finde ich meine geträumte Vorstellung. Die Babystation ist perfekt. Alles ist sehr sauber. Hier gibt es Kuscheltiere. Die größeren Kinder haben einen „Raum“ für sich und man kann sehr gut erkennen, dass jedes Kind weiß wo es wohnt. Hier hat jedes Zimmer allerhöchstens sechs Betten und deshalb hat jedes Kind die Chance, seinen kleinen eigenen Raum nach seinen Vorstellungenzu gestalten. „Danke, dass ich hier sein durfte.“ An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass ich natürlich alle aufgesuchten Orteund Institutionen sehr wohl mit Namen kenne. In Anerkennung der Leistung, diediese Menschen dort erbringen und aus Achtung vor dem, was sie versuchen zutun, mache ich deshalb keine genaueren Angaben. Auch wenn katastrophale Zustände herrschen, sie versuchen zu helfen und das ist das einzige was zählt. Die Zustände in und um Nairobi erscheinen mir so negativ, dass ich beschließe,mich auch in einem anderem Landesteil umzuschauen. Ich nehme Kontakt zu der Leiterin des Vereins Kenia Hilfe Köln auf und bitte sie um ihre ortskundige Mithilfe. Sie organisiert mir eine Bleibe und Menschen, die sich um mich kümmern. Ich fliegenach Mombasa. Ihre Kontaktpersonen bringen mich nach Ukunda (ca. 30 km von Mombasa entfernt). Dort gibt es eine gute Unterkunft. 

[$=project.imageDescription(Hier sehe ich, dass ich an einem guten Ort angekommen bin. Das Krankenhaus lässt mich hoffen, die Schulen sind recht gut. Die Menschen sind so, wie ich sie aus Afrika kenne. Hier läuft niemand an einem kranken oder hungernden Kind vorbei. Hier hilft jeder jedem. So gut er kann. Ein sehr schönes Grundstück in Mwabungo, Bezirk Mvindeni ist hier halb so teuer wie in Nairobi.„Strom, Wasser und Hoffnung.“ In und um Ukunda sehe ich Möglichkeiten, unsere Pläne in die Tat umzusetzen. Es ist eine gute Gegend, um anzufangen. 

Danke, Hilda und David
Danke, Kenia Hilfe Köln für die Unterstützung
Danke, den Menschen aus Ukunda
Danke, allen Maweni e.V. Mitgliedern für das Vertrauen in mich und meine Arbeit.

Asante Sana

Kwaheri, Anita Aretz